Tarot de Marseille

Das Tarot de Marseille gehört zu den ältesten und beliebtesten Tarots auf der ganzen Welt. Der Ursprung dieses Tarots kann bereits im 16. Jahrhundert gefunden werden und wurde von dem Franzosen Nicolas Conver Ende des 18. Jahrhunderts entworfen. Er legte eine ganz andere und gleichzeitig neue Reihenfolge der Tarotkarten fest, die bis zu diesem Zeitpunkt noch völlig unbekannt gewesen ist. Das Tarot de Marseille besteht aus den, für ein Tarotkartendeck üblichen, 78 Karten, die auf eine ganz eigene Art illustriert und coloriert wurden. Beim Tarot de Marseille wurden nur die 22 Karten der „großen Arkana“ und die so genannten „Hofkarten“ bildlich gestaltet. Auf den 56 Karten der „kleinen Arkana“ lassen sich lediglich farbige Symbole in unterschiedlicher Anzahl finden, für die ausschließlich die Farben blau, grün, rot und gelb verwendet werden. Man bezeichnet sie auch als Schwerter, Münzen, Stäbe und Kelche. Diesen Farben muss eine symbolische Bedeutung zugemessen werden, denn diese stehen für die 4 Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft. Seit der Erschaffung des Tarot de Marseille spielen diese 4 Elemente beim Tarot eine außerordentlich wichtige Rolle. Das Tarot de Marseille kann auch als das erste esoterische Tarot der Welt bezeichnet werden, welches zum Wahrsagen und Kartenlegen benutzt wurde.

Die 22 Karten der großen Arkana zählen als Trumpfkarten und geben einem Kartenleger Aufschlüsse über bestehende oder zu erwartende „große Geheimnisse“. Eine Sonderstellung nimmt dabei die Tarotkarte „der Narr“ ein, denn diese Karte besitzt als Einzige der großen Arkana keine Nummerierung. Sie steht für einen zu erwartenden Neubeginn und kann auch die Entwicklung eines neuen Zyklus im Bewusstsein anzeigen. Die anderen 21 Tarotkarten der großen Arkana wurden im Tarot de Marseille mit den Zahlen 1 bis 21 durchnummeriert. Sie stellen den Beginn und den Abschluss eines bestimmten Zyklus dar. Auffällig sind die aufwendige Gestaltung und die sich immer wiederholenden Symbole, die auf diesen Karten zu finden sind. Aus diesen Symbolen kann ein Kartenleger bestehende Zusammenhänge zwischen dem seelischen und geistigen Zustand seines Mediums und zu noch erwartende Ereignisse erkennen.

Zu den wichtigsten Symbolen gehören in der großen Arkana die Krone, der Reichsapfel, die Kette, der Adler, das Schild und die Zahl „4“. Die Krone muss im Tarot de Marseille immer als königliches Symbol gedeutet werden, das im Zusammenhang mit Macht, Bewusstsein und Erkenntnis steht. Der Reichsapfel symbolisiert Unsterblichkeit, Macht und Vollendung. Auch Ganzheit oder Einheit kann durch das Symbol des Reichsapfels gedeutet werden. Die Kette zeigt dem Kartenleger nicht nur das Vorhandensein großer Schmuckstücke an, sondern steht im Tarot de Marseille auch in Verbindung mit Gefangenschaft oder Fesselung. Der Adler gilt als ein Symbol göttlicher Macht, Wiedergeburt und Herrschaft. Das Schild muss mit Abgrenzung und Schutz in Zusammenhang gebracht werden. Die Zahl „4“ wird beim Tarot de Marseille als Zahl für den materiellen Bereich betrachtet. Sie gibt dem Kartenleger eindeutige Hinweise auf eine irdische Realität in einer sichtbaren Welt.

Die 56 Karten der kleinen Arkana ermöglichen dem Kartenleger Einblicke in alltägliche Dinge und persönliche Erlebnisse des jeweiligen Mediums. Die sich in diesen Karten zeigenden Informationen können vom Kartenleger mit den 4 Elementen in Verbindung gebracht werden. Lange wurde angenommen, dass die Karten der kleinen Arkana beim Tarot de Marseille weniger Wert haben als die Karten der großen Arkana. Dem ist aber nicht so, denn beide Arten von Wahrsagekarten ergänzen sich in ihren Aussagen untereinander und geben dem Kartenleger zusammenhängende Informationen.